Technische Analyse

Grundlagen und Bedeutung der Technischen Analyse (TA)

Technische Analyse der FinanzmärkteIn der Technischen Analyse existieren drei Grundannahmen

1. Die Marktbewegung diskontiert alles. Das ist der Grundstein der Technischen Analyse. Die Nachrichtenlage beeinflusst Angebot und Nachfrage. In der Regel sorgen „gute“ Nachrichten für steigende Nachfrage. Wenn fundamentale Daten bullisch sind, steigen die Kurse. „Schlechte“ Nachrichten hingegen sorgen für ein steigendes Angebot. Sind die fundamentalen Daten bärisch, fallen die Kurse. Alle Nachrichten spiegeln sich in der Kursbewegung wider. Der Grund für die Kursbewegung ist dem Technischen Analysten egal.

2. Kurse bewegen sich in Trends. Das Trendkonzept ist absolut unentbehrlich. Ein Trend wird als solcher identifiziert, um danach zu traden. Die meisten Ansätze sind trendfolgend. Ein Trend in Bewegung setzt sich mit größerer Wahrscheinlichkeit fort, als dass er sich umkehrt.

3. Die Geschichte wiederholt sich. Börse ist Psychologie. „Der Markt“ – das sind nichts anderes als Menschen. Und Menschen handeln in ähnlichen Situationen durchaus vergleichbar. Der Schlüssel zum Verständnis der Zukunft liegt im Studium der Vergangenheit.

Es gibt natürlich auch Stimmen, die der Technischen Analyse jeglichen Nutzen absprechen:

1. Charts könnten nicht die Zukunft vorhersagen. Doch die Wettervorhersage funktioniert genau so. Meteorologische Karten werden analysiert und daraus werden Prognosen erstellt. Wer Kurscharts deuten kann, ist daher klar im Vorteil.

2. Random-Walk-Theorie: Kursbewegungen seien reine Zufallsbewegungen, nicht vorhersehbar. Kurstrends gibt es nicht, „buy and hold“ sei die beste Strategie. Die Verfechter dieser Theorie gehen davon aus, dass die Finanzmärkte effizient sind und alle Teilnehmer rational handeln. Alle vorhandenen Informationen sind bereits eingepreist, und somit ist niemand in der Lage, dauerhaft überdurchschnittliche Gewinne zu erzielen. Das gegenteilige Gedankenmodell liefert die Behavioral Finance. Deren Vertreter gehen davon aus, dass die Marktpreise von der Psychologie der Marktteilnehmer geprägt sind. Gegen die Random-Walk-Theorie spricht, dass es zum einen in der Tat erfolgreiche Technische Analyse gibt, und zum anderen folgen die Kurse nicht dem statischen Modell der Normalverteilung. Werden die Kursbewegungen statistisch ausgewertet, verläuft die Kurve in den Randbereichen nicht etwa glatt und stetig gegen Null laufend. An den Flanken der Kurve werden die sogenannten „fetten Verteilungsenden“ ausgebildet (Fat Tails). Die Fat Tails sind nichts anderes als Tage mit extremen Kursschwankungen. Allerdings kommt das alle paar Monate vor und passt damit nicht in das Modell der Normalverteilung und in das Konzept der Zufallsbewegung.

3. Self-fullfilling prophecy: Technische Analyse funktioniere nur, weil sie von vielen verwendet wird und die Trader auf die gleichen Muster oder gleichen Indikatoren blicken und danach handeln. Doch wenn damit Gewinne realisiert werden können, was ist dann daran auszusetzen?

Geschichte der Technischen Analyse

Das Fundament zur Entwicklung der Technischen Analyse wurde bereits im 16. Jahrhundert in Japan gelegt. Der berühmteste Reishändler der „Dojima Rice Exchange“ war ein Mann namens Munehisa Homma (1724-1803), der im 18. Jahrhundert ein Vermögen verdiente. Er versuchte den Markt zu verstehen und vorherzusehen, wie er auf bestimmte Ereignisse reagiert, zum Beispiel auf das Wetter, auf Lagerbestände oder das Handelsvolumen. Er war vermutlich der Erste, der die Preisbewegungen der Vergangenheit dafür nutzte, zukünftige Preisbewegungen vorherzusagen. Bereits damals behauptete er, dass die Psychologie des Marktes ein wichtiger Aspekt für den Handelserfolg ist und dass die Emotionen der Reishändler einen signifikanten Einfluss auf den Reispreis haben. Er kam zu dem Schluss, dass man sich gegen die Markterwartung positionieren könne, wenn alle fallende Reispreise erwarten, denn das sei Grund genug für steigende Preise – und vice versa.
Damit war die Technische Analyse der Finanzmärkte geboren. Über Generationen hinweg wurden die Analysemethoden verfeinert. Im Jahr 1868 wurden die „Candlesticks“ in der Form, wie man sie heute kennt, erstmals angewendet.

Formen der Chartdarstellung

Wichtigstes Merkmal der Chartanalyse ist, dass eine simple, in der Mathematik gebräuchliche Methode verwendet wird: Die vorhandenen Daten werden grafisch in einem Diagramm aufgearbeitet. Damit wird erreicht, dass die beiden wichtigsten Ziele der Technischen Analyse auf einen Blick erkennbar sind, nämlich die Antwort auf die Fragen „Wie ist der aktuelle Trend?“ und „Steht eventuell eine Trendumkehr an?“ Um diese Ziele zu erreichen, gibt es verschiedene Formen der Chartdarstellung, die unterschiedliche Stärken haben.

Der Linien-Chart

Der Linien-Chart ist die einfachste Form, um die Kursentwicklung eines beliebigen Finanzinstruments darzustellen. Auf der y-Achse wird der Preis und auf der x-Achse der Zeitverlauf eingetragen. Damit entsteht eine Anzahl von Punkten innerhalb eines Koordinatensystems, die mit einer durchgezogenen Linie verbunden werden. In Abbildung 1 sieht man die Kursentwicklung des USD/CHF. Der Linien-Chart zeigt hierbei lediglich einen Kurs-Input pro Zeitperiode auf. Der tagübergreifende Linien-Chart gibt in der Regel den Schlusskurs an, daher kann in diesem Fall auf andere wichtige Kursdaten wie Eröffnungs-, Höchst- und Tiefstkurs nicht zurückgegriffen werden. Der Ausdruck „Zeitperiode“ bezieht sich vorliegend auf das Intervall des Charts. Die gängigsten Intervalle sind 1-, 3-, 5-, 15-, 30-, 60-Minuten-, Tages-, Wochen- und Monats-Charts. Der Linien-Chart spielt seine Stärke somit in größeren Betrachtungszeiträumen aus, weil er langfristige Entwicklungen klar darstellen kann.

 

Linien-Chart EUR/USD

Linien-Chart 10Jahre EUR-USD


Der Balken-Chart

Der Balken-Chart – auch Bar-Chart genannt – wurde Ende der 1950er-Jahre in den USA entwickelt. Tiefst- und Höchstkurs einer Zeitperiode werden mit einem vertikalen Strich verbunden. Die Abbildungen 2 und 3 zeigen die Kursentwicklung des USD/JPY auf Tagesbasis in den Zeiträumen „10 Jahre“ und „1Monat“. Der Eröffnungskurs wird mittels einer kleinen horizontalen Linie links am Balken eingetragen, der Schlusskurs auf der rechten Seite. Diese Chart-Darstellungsform zeigt auch die kurzfristige Schwankungsintensität auf.

 

Balken-Chart 1 Jahr EUR/USD

Balken-Chart 1 Jahr EUR/USD


Der Balken-Chart stellt Volatilität und eventuelle Ungleichgewichte bei Angebot und Nachfrage detailliert dar. Zusätzlich sind bei Balken-Charts Kurslücken (Gaps) erkennbar, die bei Linien-Charts übergangen werden. Der Balkenchart findet im kurz- bis mittelfristigen Betrachtungshorizont seinen Anwendungsbereich. Die meisten Analyseprogramme bieten eine Farbfunktion für die Generierung von Balken-Charts an. Liegt der Schlusskurs über dem Eröffnungskurs, ist der Balken grün. Liegt der Schlusskurs unter dem Eröffnungskurs, ist er rot. Für den seltenen Fall, dass Eröffnungs- und Schlusskurs auf dem gleichen Niveau liegen, wird der Balken in einer neutralen Farbe gezeichnet. Der Trader kann an diesem farblichen Muster erkennen, ob der Kurs steigt oder fällt. Überwiegen die grünen Balken, ist es wahrscheinlich ein Aufwärtstrend. Ist der farbliche Eindruck eher rot als grün, ist die Wahrscheinlichkeit für einen Abwärtstrend sehr hoch.


Der Kerzen-Chart

Obwohl Kerzen-Charts („Candlesticks“) bereits im 18. Jahrhundert von Reishändlern in Japan verwendet wurden, hielten sie erst in den frühen 1990er-Jahren Einzug in die westliche Analysewelt. Mittlerweile sind sie eine der meistgenutzten Chartdarstellungen unter Tradern.

Die Abbildungen 4 und 5 zeigen die Kursentwicklung des GBP/USD in den Zeiträumen „1 Jahr“ und „3 Tage“. Die Kerzen sind aufgrund ihres farbigen Körpers optisch besser zu erfassen als Bar-Charts. Wie bei den Balken-Charts werden bei den Kerzen Tiefst- und Höchstkurs mit einer vertikalen Linie verbunden. Eröffnungs- sowie Schlusskurs werden ebenfalls berücksichtigt. Die Kerze selbst besteht aus einem „Körper“ sowie dem „Docht“ und der „Lunte“. Der Körper gibt die Differenzspanne zwischen Eröffnungs- und Schlusskurs innerhalb eines Zeitintervalls an.

 

Kerzen-Chart 1 Jahr EUR/USD

Kerzen-Chart 1 Jahr EUR/USD


Bei einem über dem Eröffnungskurs liegenden Schlusskurs ist der Körper der Kerze weiß. Das bedeutet, dass der Kurs innerhalb der Zeitperiode gestiegen ist. Liegt der Schlusskurs unter dem Eröffnungskurs, ist der Körper eingefärbt. Der Kurs ist entsprechend gefallen. Die verbleibenden Linien der Kerze sind „Lunte“ und „Docht“. Diese geben die Höchst- (Docht) und Tiefststände (Lunte) innerhalb eines Zeitintervalls an. Mit den Kerzen-Charts kann man aufgrund von Musterkombinationen bestehend aus zwei bis fünf Kerzen Handelssignale erkennen. Auch die Länge von Docht und Lunte sowie die der Kerzenkörper sind wichtige Signale für die zukünftige Marktentwicklung. So zeigt eine lange, weiße Kerze eindeutig Marktstärke, wohingegen eine kleine, kaum wahrnehmbare Kerze meist auf eine Unentschlossenheit der Marktteilnehmer hindeutet. Candlesticks sind u. a. deshalb so beliebt, weil sie früh auf Trendfortsetzungen, aber auch auf Trendwenden hindeuten. Kerzen-Charts sind hauptsächlich im kurz- bis mittelfristigen Bereich anzusiedeln.


 

Kurszielprognose in der Praxis

Sobald man eine Position geöffnet hat, taucht unweigerlich die Frage auf: Wann soll man die Gewinne mitnehmen? Für Devisen-Trader ist es wichtig, ein Kursziel zu berechnen, um dann bei diesem Level die Gewinne mitzunehmen.

Kursprognosen – Methoden und Ansätze

Ein vielversprechender Ansatz bei der Prognose von Kurszielen ist die Verwendung der Fibonacci-Zahlenfolge. Leonardo da Pisa, auch Fibonacci genannt, war der bedeutendste Mathematiker des Mittelalters. Er etablierte das noch heute verwendete Zahlensystem in Europa.

Bei der Fibonacci-Zahlenfolge werden die beiden ersten Zahlen 0 und 1 vorgegeben und jede weitere Zahl ist die Summe ihrer beiden Vorgänger. Daraus ergibt sich die Folge (0, 1,) 1, 2, 3, 5, 8, 13, 21, 34, 55, 89, 144, 233, 377, 610, 987…

Die Zahlenfolge hat interessante Eigenschaften:

– Das Verhältnis einer Zahl zur nächsthöheren Zahl beträgt rund 0,618.
– Das Verhältnis einer Zahl zur nächstniedrigeren Zahl beträgt rund 1,618.
– Der Kehrwert von 1,6180 ist 0,6180

Auch in der Natur tauchen die Fibonacci-Zahlen mit großer Regelmäßigkeit auf. Hier nur ein Beispiel: Bei einem Tannenzapfen oder einem Pinienzapfen, einer Ananas oder der Blüte einer Sonnenblume gibt es rechtsdrehende und linksdrehende konzentrische Spiralen. Die Anzahl der Spiralen ist immer identisch mit zwei Nachbarzahlen aus der Fibonacci-Zahlenfolge.

Die durch die Fibonacci-Folge berechneten Zahlen und deren Verhältnisse untereinander bilden zum Beispiel die mathematische Grundlage der Elliot-Wellen. Unabhängig von den Elliot-Wellen können sie aber auch für die Berechnung von Korrekturlevels und Kurszielen verwendet werden. Die relevantesten Korrekturlevels und Erweiterungen sind:

 

Extensions - Erweiterung für neue Hochs, Retracements - Korrekturlevels

Korrekturlevels und Erweiterungen

 

50% ist eigentlich kein Fibonacci-Verhältnis, aber eine 50%-Korrektur kommt häufig am Markt vor. Es gibt einige Analysten aus der technischen Fraktion – aus der fundamentalen sowieso -, bei denen die Anwendung der Fibonacci-Zahlen und deren Verhältnisse umstritten sind. Es ist allerdings erstaunlich, mit welcher Regelmäßigkeit die Levels erreicht und auch bestätigt werden, und zwar in allen Zeithorizonten und allen denkbaren Basiswerten.

Wie werden die Korrekturlevels angewendet? Die erste Frage, die auftaucht ist: Wie lege ich die Basislinie an – von oben nach unten oder von unten nach oben oder in Abhängigkeit von der Trendrichtig? Im Prinzip egal, das Schöne bei den Fibonacci-Verhältnissen ist die sogenannte Verhältnistreue: zum Beispiel 100% – 62% = 38%.

– Wird ein Aufwärtstrend um 38% korrigiert, dann bleiben von der Aufwärtsbewegung 62% übrig.
– Wird ein Aufwärtstrend um 62% korrigiert, dann bleiben von der Aufwärtsbewegung 38% übrig.

Folgende Grundüberlegung bietet sich an: Werden bei einem (vermutlich) beendeten Aufwärtstrend Fibonacci-Korrektur-levels eingezeichnet, sind die 0% an das Tief und die 100% an das Hoch zu legen. Bei einem (vermutlich) beendeten Abwärtstrend sind an das Tief die 100% und an das Hoch die 0% zu legen. Denn die Erweiterungen werden immer in Trendrichtung fortgeführt. Die Korrekturlevels sind schematisch in der Abbildung dargestellt.

 

Fibonacci - Korrekturlevels

Fibonacci Korrekturlevels


Die 1-2-3-Methode:

Wie werden die Erweiterungen angewendet? Mit den Erweiterungen können Kursziele berechnet werden. Dazu entwickelt man das Schema von der vorherigen Abbildung weiter und kommt zur nächsten Abbildung. Hier ist das Schema für die erste Variante der Kurszielberechnung zu sehen. Dafür werden Grundregeln der Elliott-Wellen verwendet und nur wenige Grundregeln für ein Impulsmuster.

Die Formation beginnt bei Punkt A, dem Beginn von Welle 1. Der Aufwärtstrend läuft bis Punkt B. Das ist das Ende von Welle 1 und der Beginn von Welle 2. Welle 2 korrigiert Welle 1 um 62% und endet am Punkt C. Es ist wichtig, dass der Punkt C einen Korrekturlevel erreicht. Üblich sind 38%, 50% oder 62%. Bei einer schwachen Korrektur können es auch nur 24% sein, bei einer starken Korrektur 76%. Mehr als diese 76% sind sehr verdächtig. Sobald die Welle 2 unter den Beginn der Welle 1 rutscht (das ist Punkt A), wird das Szenario hinfällig. An Punkt C dreht der Markt und geht wieder in den übergeordneten Aufwärtstrend über. Achten Sie hier auf Bestätigung.

 

Fibonacci-Erweiterungen

Fibonacci Erweiterungen


Angenommen, der Aufwärtstrend wurde um 62% korrigiert und die Trendwende bei Punkt C wurde bestätigt. Dann wird die Welle 1 (=Strecke von Punkt A nach Punkt B) mit 1,62 multipliziert und an Punkt C nach oben abgetragen. Das Ende dieser Strecke ist Punkt N und auch das erste Kursziel. In starken Märkten können auch 262% oder 424% erreicht werden. Oder auch nur 100% in einem schwachen Markt. Diese Methode der Kurszielberechnung wird auch 1-2-3-Methode genannt.

Kurszielbestimmung über Fibonacci-Zahlen

Um Mithilfe der Fibonacci-Zahlen einen potenziellen Trendwendepunkt zu ermitteln, wird einfach – ausgehend von einem relativen Hoch oder relativen Tief – in die Zukunft gezählt. Bei einem Handelstag, der auf einer Zahl aus der Fibonacci-Zahlenfolge fällt, ist eine Trendwende möglich.

Fibonacci-Verhältnisse werden wie folgt angewendet: Im ersten Schritt wird ein Basisintervall bestimmt, dessen Beginn und Ende entweder durch zwei relative Hochs oder durch zwei relative Tiefs markiert wird. Dann wird die Anzahl der Handelstage des Basisintervalls mit den bereits bekannten Fibonacci-Verhältniszahlen multipliziert, also zum Beispiel mit 0,38, 0,62, 1 (das ist die genaue Verdoppelung des Zeitintervalls), 1, 1,62 und 2,62 usw.

 

Fibonacci Zahlen USD/CHF 1 M

Fibonacci Zahlen USD/CHF 1 Monat


Kurszielbestimmung mit Unterstützungen und Widerständen

Kurse bewegen sich über die Zeit. Sie werden durch Verschiebungen von Angebot und Nachfrage bestimmt. Diese Kursverläufe werden im Chart visualisiert. Dabei bildet sich eine Serie von relativen Extrempunkten aus, den Zwischenhochs und -tiefs, die im Chartbild markante Punkte darstellen. Menschen sind „Gewohnheitstiere“ und merken sich auch bestimmte Kursverläufe. Man denke nur an den Preis für Treibstoff, den viele Autofahrer sehr genau beobachten. Klettert der Dieselpreis auf mehr als 1,50 Euro je Liter, dann nimmt die Bereitschaft zu tanken spürbar ab. Nachdem in den Wochen zuvor 1,50 immer einen – zumindest gefühlten – Hochpunkt markiert haben, warten Autofahrer mit dem Tanken lieber auf einen erneuten Rückgang der Preise und versuchen zu vermeiden, am Hochpunkt zuzukaufen. Bei 1,50 Euro liegt ein Widerstand. Schießen die Preise dagegen über diesen Punkt hinaus, sorgen sich Autofahrer um eine Neubewertung, und versuchen, schnell noch vermeintlich billig zu kaufen, bevor die Preise explosionsartig weiter steigen. Froh sind viele dann auch wieder, wenn der gestiegene Preis auf die Marke von 1,50 Euro erneut zurückfällt, um dann scheinbar billiger zu tanken. Auf Grund dieses Verhaltensmusters wird ein gebrochener Widerstand zur Unterstützung.

Aus diesen Mechanismen lassen sich einige Wahrscheinlichkeitsaussagen und Erwartungen für Kursverläufe ableiten, und hieraus resultiert auch die hohe charttechnische Bedeutung von historischen Extrempunkten. Wegen der Verschiebung des Verhältnisses von Angebot und Nachfrage kommt es an den Extrempunkten mit höherer Wahrscheinlichkeit zur Umkehr der vorhergehenden Kursbewegung. Es ist mit einer Bereinigung von den an diesem Punkt aufgebauten Schieflagen zu rechnen. Trader, die am Hochpunkt gekauft haben und von der folgenden Umkehr des Preises überrascht wurden, sind nun froh, „mit einem blauen Auge“ davonzukommen, und stellen ihre Position zum Einstiegspreis wieder glatt. Genau hieraus resultiert die kritische Lage für die Kursentwicklung an historischen Extrempunkten.

Im Chart werden diese Niveaus durch horizontale Linien abgebildet. Historische Tiefs lassen der Chartlehre zufolge Unterstützung für den Preis eines Handelsgegenstands erwarten. Grund ist eine so starke Zunahme des Kaufinteresses, dass der zuvor dominierende Verkaufsdruck überkompensiert wird. Das Verhältnis von Angebot und Nachfrage verschiebt sich zugunsten der Nachfrage. Auf dem reduzierten Kursniveau, auf dem bereits zuvor diese Preisumkehr zu beobachten war, stabilisiert sich der Kurs wieder. Die zu bereinigende Schieflage der Trader resultiert daraus, dass Positionen genau an dem vorhergehenden Tief abgebaut wurden. Sie werden nun beim Wiedererreichen dieser Marke durch Zukäufe bereinigt. Käufer nutzen also den Rücksetzer auf das alte Tief zum Ausbau ihrer Position, Verkaufspositionen werden ohne Verlust geschlossen. Der Kurs beginnt zu steigen, und ein weiterer Preisverfall wird an der Unterstützung gestoppt. Definitionsgemäß ist eine Unterstützung somit ein Kursniveau unter dem bestehenden Marktpreis, auf dem ein Kursrückgang mit höherer Wahrscheinlichkeit gestoppt wird. Zu dem niedrigeren Preis erwägen Anleger wieder neue Käufe. Ein Widerstand wird im Umkehrschluss durch frühere Hochpunkte im Kursverlauf definiert.

Der Verkaufsdruck im jeweiligen Wert beginnt ab diesem Preis – die Notierungen beginnen zu fallen. Wenn sich die Kurse dem Niveau erneut nähern, neigen Trader dazu, die zuvor verpasste Chance für Gewinnmitnahmen nachzuholen. Andere Trader nutzen wiederum dieses Niveau zum Auf- oder Ausbau von Short-Positionen. Der Verkaufsdruck steigt, der Kurs fällt. Ein Widerstand ist somit ein Kursniveau über dem bestehenden Marktpreis, auf dem ein Kursanstieg möglicherweise gestoppt wird und immer mehr Trader Verkäufe erwägen.

Erste charttechnisch gestützte Ausstiegsstrategien und auch der Einstieg lassen sich bereits an den Grunderkenntnissen von Unterstützung und Widerstand festmachen. Die sich hieran orientierenden Handelssysteme sind zunächst antizyklisch einzustufen. Werden Positionen allerdings erst mit dem Bruch eines Widerstands beziehungsweise einer Unterstützung eingegangen, ist der Ansatz ein zyklischer und trendfolgender. Trader, die Positionen bei einem Rücksetzer auf eine Unterstützung aufgebaut haben, stellen diese beim erwarteten Anstieg in Richtung des nächsten Widerstand wieder glatt. Entsprechend dieser Erwartung sollten Anleger ihre Verkaufslimits auch am nächsten Widerstand setzten, um zunächst Gewinne mitzunehmen. Die Wahrscheinlichkeit, dass die Kurse an dieser Hürde umkehren, ist größer als die eines Ausbruchs. Umgekehrt werden am Widerstand aufgebaute Short-Positionen beim Erreichen der Unterstützung glattgestellt. Auf dieses Kurs-Szenario hatte der Verkäufe auch beim Aufbau seiner Position gesetzt.

Diese beiden Situationen schildern die üblichen Ansätze zwischen Unterstützung und Widerstand in einem Seitwärtsmarkt. Sie sind ein Ausgangspunkt für das Ausarbeiten einer Exitstrategie beim Handeln dieser Grundelemente. Diese Handelstaktik ist aber nur sinnvoll, wenn das Chance-Risiko-Profil der Investition stimmt. Der Abstand vom Kaufkurs bis zum nächsten Widerstand muss entsprechend groß genug sein, um eine ausreichende Rendite zu erzielen. Dabei ist die Gefahr eines unerwarteten Rückschlags der Kurse einzukalkulieren. Positionen werden abseits vom beschriebenen Mechanismus erst mit einem Ausbruch aus der Handelsspanne wieder eröffnet.

Trader wollen dann vom erwarteten Kursanstieg bis zum nächsten Widerstand profitieren. Im Fall einer Short-Position setzen sie auf ein Absacken bis zur nächsten Unterstützung. Beim Verlassen der Handelsspanne in die „falsche Richtung“ sollten Positionen dagegen ausgestoppt werden. Sie werden also an einem vorher definierten Punkt durch einen automatischen Verkauf geschlossen. So sollen Verluste aus einzelnen Positionen, die gegen den Anleger laufen, reduziert werden. Da sich diese wichtigen Marken bereits beim Kauf charttechnisch definieren lassen, bietet dies die einfachste Möglichkeit, eine klare Ausstiegsstrategie für einzelne Positionen festzuzurren.

Je nach Risikoeignung können Anleger ihre Position auch drehen. Investoren verkaufen in diesem Fall nicht nur ihre Positionen, sondern gehen in Erwartung einer Gegenbewegung Richtung Unterstützung auch noch short. Wichtig ist für diese Entscheidung aber auch die Berücksichtigung der charttechnischen Situation. Bei einem zu geringen Abstand zwischen Unterstützung und Widerstand wird das Risiko einer negativen Entwicklung im Vergleich zu dem erwarteten Ertrag zu groß. Dabei ist die Möglichkeit bemerkenswert, mit dieser Methode auch auf seitwärts gerichteten Märkten Geld zu verdienen. Bei anderen trendfolgenden Systemen ist es nämlich in der Regel sehr schwer, auf Seitwärtsmärkten tatsächlich eine angemessene Rendite zu generieren.

Als Taktik beim Handel von Unterstützung und Widerstand kaufen Trader, wenn der Kurs auf eine Unterstützung zurückfällt oder wenn er signifikant über einen wichtigen Widerstand ausbricht. Mit Blick auf den Ausstiegsplan werden diese Positionen wieder geschlossen, wenn sich der Kurs dem nächsten wichtigen Widerstand nähert. Wird dieser Widerstand dagegen signifikant überwunden, kann der Wert mit dem Ziel nächster Widerstand neu gekauft werden. Das negative Szenario einer unerwarteten Kursentwicklung muss im Tradingplan mit einem Stop unter der nächsten Unterstützung abgedeckt werden. Hier müsste die Position geschlossen werden.

Die Unterstützung wechselt ihren Status aus technischer Sicht mit ihrem Bruch zum Widerstand und lässt keine starke Kurserholung mehr erwarten. Für Verkaufslimits bietet sich wiederum der Bereich um den nächsten Widerstand durch das höhere historische Hoch an. Im speziellen Beispiel des Handels von Unterstützung und Widerstand wird aber nicht die volle Position am Kursziel zum Verkauf gestellt. Mit dem Ausbruch wird zumeist ein neuer Trend eingeleitet – und die goldene Regel „The Trend is Your Friend“ bleibt bestehen.

Wenn sich hieraus kein klares Kursziel ergibt, abgesehen vom Anlaufpunkt nächste Unterstützung, sollte der Trend möglichst lange genutzt werden. Beim Ausbruch sollte ein Stop-Kurs unter den geknackten Widerstand gesetzt werden, da sich dieser Widerstand aus charttechnischer Sicht zur Unterstützung wandelt. Sein Bruch würde ein deutlich negatives Chartsignal aussenden. Entsprechend können Anleger bei einem neuen Trend an diesem partipizieren. Die Stops könnten mit dem Überwinden des nächstenWiderstands nachgezogen werden. Dabei kann der erste Stop-Kurs beispielsweise – wie in den Grafiken angenommen – auf Höhe des Tiefs der Kerze gesetzt werden, die einen Tag vor der Ausbruchskerze steht, mit der der Widerstand gebrochen wurde.

 

Widerstand GBP/USD 1Monat Chart

Widerstand GBP/USD 1Monat Chart


Fazit: Insgesamt ist festzuhalten, dass Trader in einer genügend breiten Handelsspanne zwischen Unterstützung und Widerstand in einem Chart mit dem Handel dieser Marken Geld verdienen können. Als Einstiegszone wählen sie für Long-Positionen die Unterkante der Handelsspanne, die entscheidende Unterstützung bietet. Die Oberkante als bedeutendsten Widerstand nutzen sie für Short-Positionen. Das Kursziel ist jeweils das andere Ende der Spanne, bei Käufern also die Oberkante der Handelsspanne und bei Verkäufern die Unterkante. An diesen Marken kann der Ausstieg am besten mit Mischkursen gesucht werden.

Der Abstand von Stop-Loss-Orders zur Absicherung der Position kann je nach Risikoneigung großzügig oder eng gewählt werden. Beim größeren Abstand ist der Trader besser vor einem verfrühten Verkauf wegen eines Fehlausbruchs im Chart geschützt. Entsteht aber ein neuer Trend, resultieren aus diesem Ansatz die größeren Verluste. Eine Alternative zum mechanischen Ansatz bietet beim Handel von Unterstützung und Widerstand die sorgfältige Betrachtung der Kurshistorie mit der Analyse der „üblichen“ Fehlsignale des Werts.

 

Fundamentale Analyse