Ganzes Geld auf ein Finanzprodukt setzen?

Portfoliodiversifikation

Warum nicht das ganzes Geld auf ein Finanzprodukt setzen…

Wegen der hohen Komplexität des Finanzmarktes und des riesigen Angebotes an Finanzprodukten, erfordert es einiges an Zeit, am Markt eine Anlage zu finden, die den Anforderungen des eigenen Anlagetyps gerecht wird. Oft müssen Sie Ihre Investitionsidee, aufgrund vielfältiger Risiken, rigoros prüfen, bevor Sie sich endgültig für die Durchführung entscheiden. Nachdem so viel Arbeit in die Auswahl geflossen ist, tendiert man leicht dazu, sein komplettes Kapital in das ausgewählte Anlageprodukt investieren zu wollen. Das ist aber kein guter Ansatz, denn durch Investitionen in mehrere verschiedene Produkte kann man erreichen, dass sich das Gesamtrisiko reduziert.

Was ist Portfoliodiversifikation ?

Es besteht stets die Gefahr, dass eine Investition sich als Fehlgriff erweist, besonders wenn sie aufgrund von äußeren Umständen zwar einen hohen Ertrag ermöglicht, aber dafür auch mit einem höheren Risiko behaftet ist. Die Risiken können dabei aus sehr vielen Quellen erwachsen:

Der Emittent (Herausgeber) einer Schuldverschreibung kann pleitegehen und dadurch Probleme haben, dem Gläubiger das geliehene Geld zurückzuzahlen.

Beim Kauf einer ausländischen Aktie, können Währungsschwankungen auftreten, die sich ungünstig oder vorteilhaft auf die Anlage auswirken.

Durch steigende Zinsen, kann der Wert einer langfristigen, festverzinslichen Anleihe sinken.

Wenn man all sein Geld in eine einzige Anlage investiert, kann dies bei einem Bankrott des Schuldners zu einem Totalverlust führen. Sucht man sich dagegen viele Investmentmöglichkeiten, ist der Verlust einer Anlage wesentlich leichter zu verkraften. Das ist die etwas salopp formulierte Erklärung dafür, warum mehrere Investitionen ein absolutes Muss sind.

Die wissenschaftliche Begründung folgt aus der Portfoliotheorie von Harry Markowitz, für die er den Wirtschaftsnobelpreis erhielt. Das Gesamtrisiko eines Portfolios von Anlagen ist stets geringer als der Durchschnitt der Einzelrisiken der einzelnen enthaltenen Anlagen. Dies gilt nur unter der grundsätzlich vertretbaren Voraussetzung, dass die Kursentwicklungen der Anlagen nicht im perfekten Gleichschritt verlaufen also eine Korrelation von eins aufweisen. Um das zu verstehen, muss zunächst der Begriff der Korrelation geklärt werden. Eine Korrelation ungleich null, beschreibt eine Beziehung in der Wertentwicklung zweier Anlagen. Somit korreliert eine Aktie positiv mit einer anderen, wenn sie tendenziell steigt, wenn die andere Aktie steigt. Hierbei kann die Korrelation zwischen null und eins liegen, wobei null für keinerlei Korrelation und eins für perfekte Korrelation steht. Bei einer negativen Korrelation zweier Werte lässt sich dagegen beobachten, dass der eine fällt, wenn der andere steigt. Dabei nimmt die Korrelation Werte zwischen null und minus eins an. Hier bedeutet minus eins eine perfekt gegenläufige Bewegung zum Vergleichswert. In beiden Fällen bedeutet dies jedoch nicht zwangsläufig, dass eine kausale Beziehung zwischen den beiden Anlagen bestehen muss, sprich, die eine Aktie steigt nicht unbedingt gerade aus dem Grund, dass die andere steigt oder fällt.

Wenn man als Anleger nun zwei Aktien kauft die nicht perfekt korreliert sind, bedeutet das, dass die eine nicht immer genau dann steigt wenn die andere steigt und umgekehrt. Dadurch werden die Verluste der einen Aktie mehr oder weniger stark von den Gewinnen der anderen Aktie aufgefangen. Dieser Effekt ist natürlich umso stärker und bedeutender, je kleiner die Korrelation der beiden Anlagen ist, weil dann die Verluste der einen Aktie auf lange Sicht öfter von den Gewinnen der anderen Aktie aufgefangen werden. Je mehr verschiedene Anlagen man folglich in sein Portfolio aufnimmt und je geringer deren Korrelation ist, desto niedriger wird das Gesamtrisiko im Vergleich zum Durchschnitt der Einzelrisiken. In einem perfekt diversifizierten Portfolio besteht für den Anleger theoretisch lediglich noch das allgemeine Marktrisiko, jedoch keine individuelles Risiko der Einzelwerte mehr. Ein solches Portfolio ist in der Realität zwar nicht umsetzbar, das Risiko lässt sich aber durch geschicktes investieren bedeutend einschränken.


Ganzes Geld auf ein Finanzprodukt


Wann treten Korrelationen zwischen Anlagen auf ?

Man kann feststellen, dass Anlagen oft dann starke Korrelationen aufweisen, wenn sie bestimmte gemeinsame Attribute besitzen.

Erstens lässt sich beobachten, dass Anlagen in gleichen Regionen oder Ländern oft stark miteinander korrelieren, so beispielsweise Aktien aus dem DAX. Das liegt daran, dass die Unternehmen, die alle ihren Sitz in Deutschland haben, von denselben regulatorischen, ökonomischen, sozialen und klimatischen Faktoren abhängig sind. Wenn zwei Unternehmen denselben politischen und wirtschaftlichen Entscheidungen ausgesetzt sind, neigen sie dazu verhältnismäßig ähnliche Kursverläufe einzuschlagen.

Zweitens tritt dieses Phänomen auch bei Unternehmen gleicher Branchen auf. Zwischen den Aktien von Daimler und BMW gibt es zum Beispiel mit 0,92 (auf ein Jahr bezogen) eine starke Korrelation, was daher rührt, dass Werte einer Branche auf äußere Umstände und Entwicklungen sehr ähnlich reagieren. So sind zwei Autohersteller von einer Erhöhung der Stahlpreise eher in vergleichbarem Maße betroffen, als ein Autohersteller und ein Energieversorger.

Drittens kann es Korrelationen zwischen bestimmten Anlageklassen (Assetklassen) geben. So bringen Aktien normalerweise höhere Erträge ein, wenn Anleihen weniger attraktiv sind und umgekehrt. Hier konnte zwischen 1960 und 2007 eine Korrelation von -0,44 festgestellt werden, es besteht also ein negativer Zusammenhang. Offene Immobilienfonds weisen zu Aktienfonds eine Korrelation von etwa null auf und sind damit so gut wie unabhängig von deren Verlauf.

Wie diversifiziert man ein Portfolio ?

Es stellt sich die Frage, inwiefern man diese statistischen Zusammenhänge als Anleger beachten sollte: Man kann die gegenseitige Unabhängigkeit von Anlagen ausnutzen um sein Gesamtrisiko zu reduzieren, indem man sein Kapital auf verschiedene Länder und Regionen, Branchen und Anlageklassen streut.

Zum einen empfiehlt es sich grundsätzlich, nicht nur im Inland zu investieren, sondern auch ausländische Märkte zu berücksichtigen. So kann man Kursverluste, die durch eine Währungskrise wie die Eurokrise entstehen, durch ein Teilinvestment in den USA oder Japan abschwächen, weil die dortigen Märkte den politischen und wirtschaftlichen Belastungen nicht gleichermaßen intensiv ausgesetzt sind. Für eine Investition in ausländische Märkte gibt es zwei Möglichkeiten: Man kann viele Aktien von großen ausländischen Unternehmen in der eigenen Währung an einem inländischen Börsenplatz wie XETRA handeln. Da die dort erhältlichen Werte aber zum Teil weniger liquide sind, kann es hier zu höheren Spreads und damit zu ungünstigeren Preisen kommen. Andererseits kann man die meist höheren Handelsgebühren (zumindest mit den hiesigen Brokern) in Kauf nehmen und die Anlage im Ausland in der jeweiligen Fremdwährung tätigen. Dabei gilt es jedoch zu beachten, dass Wechselkursschwankungen einen Einfluss auf die Investition haben. Einerseits können sie zwar dazu führen, dass die Rendite steigt. Dies ist der Fall, wenn die ausländische Währung während des Anlagehorizontes gegenüber der inländischen aufgewertet (an Wert zugenommen) hat. Im gegenteiligen Fall kann das Währungsrisiko aber auch negative Auswirkungen auf die Performance haben.

Zum zweiten sollte wegen der Korrelation innerhalb von einzelnen Branchen und Industriezweigen, das Investitionskapital auf Aktien von Unternehmen in verschiedenen Tätigkeitsfeldern gestreut werden. So kann man sich langfristig besser gegen branchenspezifische Risiken absichern.

Zuletzt ist es wichtig in verschiedene Anlageklassen zu diversifizieren. Neben dem Aktienmarkt, ist es ratsam zum Beispiel in Anlageprodukte des Rentenmarktes (Unternehmens-, Staatsanleihen), in Rohstoffe, in Immobilien oder in Devisen zu investieren, um auch hier wiederum die Differenzen in der Wertentwicklung zur Einschränkung des Gesamtrisikos zu nutzen.

 


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