Fundamentale Analyse

Fundamentale Analyse

Fundamentale Analyse

Die Analyse fundamentaler Daten spielt beim Devisenhandel eine gewichtige Rolle. Anders jedoch als die Fundamentale Analyse beim Aktienhandel (hier werden Gewinne/Verluste, Cashflow und Ertragskraft eines Unternehmens untersucht) werden beim Devisenhandel mikro- und makroökonomische Daten genau unter die Lupe genommen. Hierzu zählen unter anderem die Zinsaussichten und die Währungspolitik der einzelnen Länder oder der Eurozone. So war beispielsweise in der Vergangenheit öfter zu beobachten, dass Länder mit einem vergleichsweise hohen Zinsniveau, mit Rohstoffvorkommen, einer florierenden Wirtschaft und boomenden Rentenmärkten als Folge mit einer Aufwertung ihrer jeweiligen Währungen rechnen konnten.

Wirtschaftsdaten und ihre Bedeutung für Wechselkurse

Die Anwendung der Fundamentalen Analyse ist beim Devisenhandel auch für Anleger und Investoren sehr nützlich, um beispielsweise zu verstehen, wie im Anschluss an die Veröffentlichung von Wirtschaftsdaten teilweise starke Kursbewegungen in den Hauptwährungspaaren zustande kommen. Wenn man langfristig als Forex-Trader bestehen will, muss man daher den Einfluss von Wirtschaftsdaten auf die Wechselkurse deuten und für sich nutzen können – denn gerade am Devisenmarkt zeigt sich, dass ein rein technisch ausgerichtetes Trading nicht den gleichen Erfolg erzielt wie eines, das sich an den Daten und Zahlen aus den Wirtschaftsräumen orientiert.

Die Kursausschläge am Devisenmarkt sind nicht so unberechenbar, wie manche Leute denken. In vielen Fällen kennt man den Zeitpunkt der Kursausschläge im Voraus und häufig sogar die Richtung der Kursbewegungen. Das liegt an der Informationsgleichheit, die den Devisenmarkt gegenüber allen anderen Märkten auszeichnet. Wechselkurse werden zum großen Teil von Wirtschaftsdaten bzw. der Spekulation auf künftige Wirtschaftsdaten getrieben. Diese aber sind nicht jederzeit verfügbar, sondern werden zu allgemein bekannten Zeitpunkten veröffentlicht. Wenn etwa in den USA die neu geschaffenen Stellen außerhalb der Landwirtschaft, die sogenannten „Nonfarm-Payrolls“, freitags um 14:30 Uhr europäischer Zeit veröffentlicht werden, sind sie auch erst um 14:30 Uhr für alle Marktteilnehmer bekannt.

Der Leitzins – Grundlage für Wechselkursbestimmungen

Die Wechselkursbestimmung wird maßgeblich von Leitzinsen beziehungsweise von Leitzinsdifferenzen getragen.

Wie aber funktionieren die Leitzins-Mechanismen, die am Devisenmarkt eine Rolle spielen? Gehandelt wird in Währungspaaren, beispielsweise EUR/USD, GBP/CHF. Jede der Währungen in diesen Paaren steht für einen Währungs- und damit für einen Wirtschaftsraum. Weil dahinter ganze Volkswirtschaften stehen, wirkt sich der Wechselkurs unmittelbar auf alle aus, auch auf diejenigen, die mit den Finanzplätzen nichts zu tun haben.

Um zu verhindern, dass sich frei schwankende Wechselkurse negativ auf die Wirtschaftsräume auswirken, gibt es für jeden Wirtschafts- und damit Währungsraum eine Zentralbank, die die Stabilität der eigenen Währung sicherstellt. Eines der Instrumente, die einer Zentralbank dabei zur Verfügung stehen, ist der Leitzins.

Wenn eine Wirtschaft beispielsweise an Dynamik gewinnt, das Geldmengenwachstum steigt und die Inflationsrate eine tolerierbare Grenze überschreitet, erhöht die Zentralbank den Leitzins. Das hat zur Folge, dass auch die allgemeinen Marktzinsen steigen. Zudem beeinflusst der Leitzins auch die Struktur der Kapitalanlagen. Mit jeder Leitzinserhöhung wird die Wirtschaft mehr abgewürgt und die Attraktivität von Anlagen in Staatspapiere steigt. Irgendwann dreht sich das Blatt und es wird Geld der besseren Verzinsung wegen aus der Wirtschaft, den Unternehmen, herausgelöst und insbesondere auf dem Anleihenmarkt investiert. Damit wird Kapital aus dem Wirtschafts- bzw. Geldkreislauf entnommen, was zu einer Reduzierung der Geldmenge führt. Auf diese Weise nimmt die Zentralbank Einfluss auf die gesamtwirtschaftliche Preisentwicklung, die sich im Rahmen der Leitzinserhöhungen abschwächt.

In der Regel fließen so die Kapitalströme in Richtung der höheren Verzinsung damit in Richtung der höheren Leitzinsen. Je nachdem, welches Währungspaar man wählt, ergeben sich unterschiedliche Leitzinsdifferenzen. Beim Australischen Dollar (4,75%) gegen den Euro (1,00%), beträgt die Leitzinsdifferenz 3,75 Prozentpunkte.

Man sollte annehmen, dass Devisenhändler in dem oben genannten Währungspaar massiv involviert sind. Doch Vorsicht: Investoren sind mit keinem Wirtschaftsraum verheiratet! Gibt es eine grundlegende Änderung der Zinsdifferenzen, dann werden die Gelder zugunsten von besseren Alternativen wieder abgezogen. Eine solche Änderung wäre beispielsweise, wenn die dem Investment zugrunde liegenden Zinsen sinken würden.

Leitzinsdifferenz und die Reaktion von Händlern

Der Schlüssel zur Fundamentalanalyse im Forex-Markt ist nicht die volkswirtschaftlich korrekte Bewertung veröffentlichter Wirtschaftsdaten, sondern die Fähigkeit des Anlegers, die Erwartungen des Marktes hinsichtlich der Auswirkungen anstehender Wirtschaftsdaten richtig abzuschätzen. Dies ist insbesondere bei Leitzinsänderungen und den daraus entstehenden Leitzinsdifferenzen von großer Bedeutung.

Fundamentaldaten werden in der Regel von Marktteilnehmern unterschiedlich bewertet. Angenommen, ein Wirtschaftsraum befindet sich in einer Flaute und hat einen entsprechend niedrigen Leitzins. In dem sich entwickelnden Aufschwung steigt mit dem Geldmengenwachstum auch die Inflationsrate. Jede Zentralbank hat eine Toleranzgrenze für die Treuerung, bis zu deren Erreichen sie keinen Anlass sieht, tätig zu werden. Bei einer Überschreitung behält sie sich vor, Maßnahmen zu ergreifen. Die EZB hat gegenwärtig eine Toleranzgrenze von knapp 2%, die auf Dauer nicht überschritten werden sollte. Wenn die maximal akzeptierte Inflationsrate überschritten ist, droht die Wirtschaft zu überhitzen. Die Währungshüter verfolgen jetzt das Ziel, die Ausweitung der wirtschaftlichen Aktivität einzudämmen und so den weiteren Anstieg des Preisniveaus zu verhindern. Wie schon erwähnt ist eines ihrer Instrumente, mit denen sie dieses Ziel erreichen können, die Erhöhung des Leitzinses. Sie könnten also „auf die Bremse treten“. Die Höhe des Leitzinses hat auch Auswirkungen auf die Höhe der Verzinsung von Kapitalanlagen. Das setzt ebenso die Kapitalströme in Bewegung, die sich den Weg hin zu höherer Verzinsung suchen und dort wieder abfließen, wo sich die Situation verschlechtert. Die Zentralbank in unserem Beispiel erhöht also den Leitzins, um eine Überhitzung der heimischen Wirtschaft zu verhindern. Dadurch steigt auch tendenziell die Verzinsung von Kapitalanlagen, insbesondere die der Staatsanleihen. Welche Auswirkung hat diese Maßnahme auf die Währung dieses Landes? Durch die sich jetzt verstärkende Nachfrage (höherer Zins) wird die Währung aufgewertet, der Kurs steigt.

Man stelle sich jetzt vor, der Aufschwung war nur zeitlich begrenzt und die Dynamik der Wirtschaft lässt leicht nach. Die Unternehmen führen wegen der hohen Kreditzinsen keine Investitions- oder Kapazitätserweiterungen durch. Wenn die Zentralbank die Situation jetzt so beurteilt, dass der aktuelle hohe Leitzins ein weiteres Wirtschaftswachstum abwürgen würde, muss sie die Bremse in Gestalt des hohen Leitzinses lockern, also senken. Als Folge davon würde die Währung in den Paaren verlieren – vorausgesetzt, bei der Partnerwährung würde kein entsprechender Zinsschritt durchgeführt.

Es gibt mehrere Gründe, die ein Einschreiten von Zentralbanken sehr wahrscheinlich machen. Eine Zentralbank wird immer dann ein wachsames Auge auf die wirtschaftliche Entwicklung werfen, wenn die Daten aus ihrem Währungsraum anzeigen, dass die Wirtschaft an Fahrt aufnimmt. Denn das birgt zumindest die Möglichkeit, dass sich die Inflation der Obergrenze nähert. Solange sie darunter bleibt oder diese nur temporär überschreitet, werden keine Aktionen der Währungshüter notwendig sein. Droht sie sich aber im hohen Bereich festzusetzen, ist die Zentralbank gefordert. Ein Mittel zur Abhilfe ist die Erhöhung des Leitzinses. Ebenso verhält es sich, wenn bei aktuell hohem Leitzins die Fundamentaldaten anzeigen, dass die Gefahr der Überhitzung nicht mehr besteht. Da ein hoher Leitzins als Bremse wirkt, wird die Zentralbank ihn bei Abflauen der Wirtschaft zurücknehmen müssen.

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